Interview über das Streben nach Glück am Arbeitsplatz

Interview mit Andrea Linati, Happy Coach & Trainerin bei DeliveringHappiness@work, die in ihrem Angestellten-Dasein unter miserablen Chefs gelitten hat und es nun zu ihrer Aufgabe gemacht hat, als Personal Coach und Unternehmensberaterin, Firmen zu glücklicheren Orten zu machen. Die Spanierin hat eine eigene Webseite, hält Vorträge, berät Firmen, weiß, warum es sich rentiert wenn Firmen in das Glück ihrer Mitarbeiter investieren und teilt folglich einige ihrer Erfahrungen mit uns.

Wie sind Sie dazu gekommen, „Happy Coach“ zu werden?

Andrea-Linati-Glück JobEs ist, als wäre man dafür geboren. Bestimmte Lebensumstände bringen einen dazu, Entscheidungen zu treffen, bis man an den Punkt kommt, an dem alles einen Sinn ergibt. Es gibt keine konkrete Situation, die einen zu einer Berufung bringt. Mein erster bewusster Kontakt mit dieser ganzen Sache war mit 16 Jahren, als ich auf den Malediven einen Marokkaner kennenlernte und es mich sehr beeindruckte, dass er mit nur 20 Jahren so weit weg von Zuhause lebte. Er hat mir das Buch „Der Alchimist“ von Paolo Coelho geschenkt und seitdem habe ich Verantwortung dafür übernommen, meinen Weg zu suchen. Das Coachen hat sich nach einer weiteren Reise ergeben, als ich mit 26 Jahren nach Indien gefahren bin und bei meiner Rückkehr wegen eines Virus im Krankenhaus landete. Da wurde mir bewusst, dass dies eine Warnung ist. Ich habe mich gefragt, was ich eigentlich mache, habe mir einen Coach gesucht und von da an habe ich alles ganz klar gesehen. Das war mein Weg. Ich habe mich ausgebildet, Zertifikate erhalten, bin ins kalte Wasser gesprungen und plötzlich war ich Glücks-Beraterin.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der bei seiner Arbeit nicht glücklich ist?

Ich kann keinen allgemeinen Rat geben, aber generell hat die Ursache des Unglücklichseins damit zu tun, dass die Person nicht ihre wichtigsten Werte und Motivationen lebt. Mein Rat wäre, dass man zuerst überlegen sollte, welches seine Motivationen, seine Werte und Prioritäten bei der Arbeit und im Leben sind, und dann findet man die Antworten.

Kann man etwas Positives aus einer schlechten beruflichen Erfahrung ziehen? Könnten Sie uns vielleicht ein persönliches Beispiel nennen?

Sehr zu meinem Bedauern sind schlechte Erfahrungen eine starke Lernquelle, um dadurch weiter und besser vorwärts zu kommen. Wenn ich nicht eine wettbewerbsorientierte und stressige Glückliche MitarbeiterUnternehmenskultur erlebt hätte, dann hätte ich mich wahrscheinlich nicht bemüht, mir einen Coach zu suchen und würde jetzt nicht die Bedeutung einer guten Unternehmenskultur zu schätzen wissen. Wenn ich als Selbstständige nicht monatelang ohne Arbeit gewesen wäre, hätte ich niemals an die Türen geklopft, die ich geöffnet habe. Wenn ich nicht unter autoritären oder schlechten Chefs „gelitten“ hätte, wäre ich selbst vielleicht keine gute Chefin für andere geworden… Martin Seligman untersucht die Wechselbeziehung des posttraumatischen Glücks und er ist der Meinung, dass die Personen, die zwei bis drei Traumata in ihrem Leben erfahren haben, glücklicher sind als die, die keine erlebt haben. Es ist Übungssache. Wenn Sie sich jedes Mal, wenn Sie auf ein Hindernis stoßen, selbst sagen, dass es bestimmt etwas Positives dabei gibt oder Sie etwas daraus lernen können, dann finden Sie es auch und alles ergibt Sinn.

Fühlen Sie sich jetzt glücklich bei der Arbeit? Was mögen Sie am liebsten an Ihrer Arbeit? Und welchen Einfluss hat ihr Job auf Ihr Leben?

Ich sehe mich als eine vom Glück beschenkte, sehr dankbare und in vielen Momenten glückliche Person an. Man muss bedenken, dass es den perfekten Job so nicht gibt. Das heißt, das Leben hat gute und schlechte Seiten und es gibt immer Unannehmlichkeiten, aber es geht darum, dass man trotz der nicht so guten Dinge glücklich ist. Wir können uns an unser Idealbild von Arbeit annähern, wenn wir nach unseren Werten, unseren Motivationen, Leidenschaften und Zielen im Leben handeln… Das Gleichgewicht besteht darin, sowohl die Gegenwart mit Freude und dem, was uns glücklich macht, zu leben und dabei gleichzeitig die Zukunft aufzubauen.  Es gibt Personen, die ihr Leben lang auf ihr zukünftiges Glück hinarbeiten und es nie erreichen… Man muss das Glück in der Gegenwart so ausrichten, dass es gleichzeitig das Glück in der Zukunft aufbaut.

Wie kann man das Glücksniveau eines Unternehmens messen?

Der britische Statistiker Nick Marks hat vom britischen Parlament aus eine Glücks-Diagnose für Unternehmen eingeführt. Es handelt sich um eine weltweit anerkannte Umfrage: https://www.happinessatworksurvey.com/. Dabei werden 40 Parameter gemessen, die direkt mit dem persönlichen Glück und dem Glück bei der Arbeit verbunden sind. Das Tolle bei dieser Umfrage ist, dass man sofort Ergebnisse erhält und sie auf individueller Ebene kostenfrei ist.

Wann lohnt es sich für ein Unternehmen nicht, in das Glück seiner Mitarbeiter zu investieren?

Glück am ArbeitsplatzWenn die Geschäftsführung des Unternehmens nicht auf eine Kultur ausgerichtet ist, bei der es wichtig ist, die Mitarbeiter glücklich zu machen. Wenn die Kultur dysfunktional ist, sie sie aber nicht ändern möchten. Nicht selten sind Manager nicht voll entwickelte Personen und das einzige, worauf es ihnen ankommt, ist Geld zu verdienen. Diese Art von Menschen sabotieren die Bemühungen, andere glücklich zu machen und verursachen mehr Frustration, weil sie den guten Willen der anderen bremsen.

Welche Eigenschaften machen einen glücklichen Mitarbeiter aus?

Ich weiß nicht, ob es Eigenschaften sind, aber es müssten sich dafür folgende Aspekte ergeben:

- Das Gefühl zu haben, dass man geschätzt wird und fähig ist.
- Sich stets kleine Ziele zu setzen und das Gefühl zu haben, diese zu erreichen.
- Dankbar zu sein.
- Sich der täglichen Erfolge und Fortschritte bewusst zu sein und diese zu feiern.
- Den Kollegen zu helfen.
- Die eigenen Fähigkeiten und Stärken einzusetzen und diese weiterzuentwickeln.
- Das Gefühl zu haben, gewisse Freiheiten und Autonomie zu haben.
- Das Gefühl zu haben, dass einem zugehört wird und man anerkannt wird.
- Das Gefühl zu haben, dass man sich selbst treu ist.
- Über Aspekte bezüglich seiner Arbeit sprechen und wichtige Entscheidungen treffen zu können.
- Sich gut mit seinen Kollegen und Vorgesetzten zu verstehen.
- So viele Personen wie möglich bei der Arbeitsstelle zu kennen.

… und es gibt natürlich noch mehr…

Für Sie ist Arbeit… ein Weg des konstanten Wachstums und der Entwicklung.

 

 für JobisJob

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