Interview mit Monika Kraus-Wildegger, CEO von GOODplace

Im folgenden Interview werfen wir einen Blick auf die moderne Arbeitswelt und sprechen mit Monika Kraus-Wildegger über Feelgood Management und über ihr Unternehmen GOODplace.

GOODplace ist eine Plattform für Feelgood Kultur. Das Unternehmen unterstützt Fachkräfte und Firmen, damit Mitarbeiter sich wohlfühlen und somit zufrieden und produktiv arbeiten können. Wir haben GOODplace bereits in einem Beitrag über unsere liebsten Webseiten für die berufliche Entwicklung und Orientierung vorgestellt und sind jeher begeistert vom Konzept Feelgood. Monika Krause-Wildegger hat in Europa, Asien und Chicago gelebt, mit dem Frauenhofer Institut das Jobprofil des Feelgood Managers entwickelt und ist mit ihrem Wissen absolute Vorreiterin und Expertin auf dem Gebiet Feelgood Management 4.0.

Monika Kraus-Wildegger, CEO von GOODplace

(Quelle: Gabriele Bohle)

Frau Kraus-Wildegger, Sie sind die Gründerin von GOODplace, wofür steht Ihr Unternehmen?

GOODplace versteht sich als Plattform fürs neue Arbeiten. Mittels Schulungen oder unserer Fachausbildung beraten und qualifizieren wir Fachkräfte und Unternehmen zum Thema Feelgood Management. Unser Motto: Feelgood makes work a good place!

Wie kam es zu der Gründung von GOODplace?

Ich habe vor einigen Jahren selber einen „good place“ gesucht und erfreulicherweise Unternehmen kennengelernt, die eine moderne Arbeitskultur hatten. Eine Arbeitskultur, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und positiv zum Unternehmenserfolg beiträgt und in der neue Themen wie Arbeit 4.0 und Mitarbeiterzufriedenheit und Engagement keine Fremdwörter sind. Ich habe dann gemerkt, dass es zu diesen Themen noch keine Anlaufstelle gibt und daraufhin GOODplace gegründet. Ich kam also von der Praxis zum Thema.

Das Human Resource Management verantwortet die Faktoren Arbeit und Mensch in Unternehmen. Wieso benötigen wir neben Personalmanagern auch Feelgood Manager?

Weil Feelgood Manager keine neuen Personalmanager sind und ganz andere Aufgabenbereiche abdecken. Was vielen nicht klar ist: auch strategisch ist das Feelgood Management eigentlich nicht im Personalwesen anzusiedeln, sondern im Management. Personalmanagern werden also keine Aufgaben weggenommen, da sich Feelgood Manager auf ganz andere Kompetenzen konzentrieren.

Tatsächlich ist das Thema Feelgood auch kein Lieblingsthema des Personalbereiches. Es wird von Führungskräften getrieben, welche den engagierten Wissensmanager suchen. Und um Mitarbeiter intrinsisch zu motivieren, muss ein Unternehmen auf seine Bedürfnisse eingehen. Wobei natürlich nicht jedes Bedürfnis umgesetzt werden kann! Es geht um die Kommunikation auf Augenhöhe. Unternehmen, die Feelgood umsetzen sind häufig sehr erfolgreiche Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen, welche auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen sind.

Wie genau kann ein Feelgood Manager zu einem positiven Betriebsklima beitragen?

Das Feelgood Management konzentriert sich auf 4 Säulen:

  • Vernetzung,
  • Offenheit,
  • Partizipation und
  • Agilität.

Feelgood Manager tragen dazu bei, die interne Vernetzung von Mitarbeitern und den Wissensaustausch zu fördern. Bei Feelgood geht es also nicht nur um Spaß, um Obstteller oder Firmenausflüge. Feelgood Management geht hier ein wenig tiefer und lädt Mitarbeiter dazu ein, das Arbeitsklima aktiv mitzugestalten. Es wird echtes Feedback eingeholt, Konflikte gelöst und Rahmenbedingungen geschaffen, damit Mitarbeiter einen guten Job machen können.

Die neue Arbeitswelt 4.0 erfordert, dass Wissen schnell verarbeitet und geteilt wird. Dies erfordert Offenheit, Vertrauen und Flexibilität.

Haben Sie ein Beispiel, wie ein Feelgood Manager mit kulturellen Unterschieden in einem Unternehmen umgeht?

Bei Unternehmen, die auf Mitarbeitern aus anderen Ländern angewiesen sind, spielt die Willkommenskultur eine zentrale Rolle. Mittels „Onboarding“ muss eine Bindung zum Arbeitnehmer aufgebaut werden, sonst kündigt der neue Mitarbeiter und das Resultat sind hohe Kosten. Zum Onboarding gehören bestimmte Stationen wie die Vorstellung in großer Gruppe, Zweiergespräche, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Behördengängen und immer wieder echtes Feedback einzufordern, um zu sehen, wie es dem Mitarbeiter geht.

Was denken Sie, ist das Gehalt oder ein positives Arbeitsklima entscheidend für die Mitarbeiterzufriedenheit?

Hierzu gibt es viele Studien. Das Paket muss allgemein fair sein. Wichtig ist das Signal, welches Unternehmen mit Feelgood Management aussenden. Das Gehalt ist entscheidend, jedoch werden Faktoren wie Arbeits- und Lebenszeit immer wichtiger. Menschen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen werden sich in der Regel für das hohe Gehalt entscheiden, da sie primär erst einmal Geld verdienen möchten und ein bestimmtes Gehaltslevel erreichen wollen. Menschen mit Berufserfahrung wissen was sie Wert sind und was ihnen ihre Lebens- und Arbeitszeit bedeutet. Feelgood ist ein Verkaufsvorteil und ein Wert, den viele Fachkräfte suchen.

Wie wird die Arbeit eines Feelgood Managers evaluiert? Können Ergebnisse beziffert und demonstriert werden?

Die Messbarkeit der Initiativen ist definitiv wichtig. Doch setzt sich auch hier das Feelgood Management von Personalaktivitäten ab. Natürlich kann der Erfolg des Feelgood Management an ACT Feelgood Managementder Fluktuationsrate und somit der Bindung des Mitarbeiters zum Unternehmen gemessen werden. Jedoch gibt es so viele externe Faktoren, die einen Wechsel von Mitarbeitern mit sich bringen, dass solche handfeste Bewertungen mit Vorsicht betrachtet werden müssen. Was nämlich nicht beim Parameter Fluktuationsrate mit einfließt ist die Art wie man auseinander gegangen ist und ob kommuniziert wurde, dass die Tür immer offen steht für einen Rückeinstieg. Eine weitere Möglichkeit den Erfolg von Feelgood-Initiativen zu messen ist die Teilnahme an Feelgood-Initiativen.

Aus der Forschung wissen wir, dass die Unternehmenskultur einer Firma dessen wirtschaftlichen Erfolg positiv beeinflussen kann. Gilt dies ebenfalls für das Feelgood Management?

Das Feelgood Management ist noch nicht weit erforscht. Wir schauen oft zu anderen Disziplinen rüber, wie zum Beispiel der Psychologie. Hierzu gibt es eine interessante Studie, die herausgefunden hat, dass Unternehmen mit einer mitarbeiterzentrierten Arbeitskultur erfolgreicher am Aktienmarkt sind.

Die Medien stürzen sich gerade auf das Trendthema Feelgood Management. Begeistern sich Führungskräfte gleichermaßen für das Thema? 

Um sich für das Thema zu interessieren, müssen Führungskräfte einen gewissen Reifegrad erreicht haben, persönlich oder aufgrund ihrer Branchenerfahrung. Oftmals sind Interessenten Führungskräfte aus den Bereichen IT und Consulting. Sie sind offen für echtes Feedback und Veränderungen. Sie wissen, dass sie etwas anders machen müssen, um Fachkräfte zu halten und beim digitalen Wandel mithalten zu können. Auch das Verständnis, dass Unternehmenskultur nicht auf Knopfdruck entsteht, muss da sein.

Wer kann eine Schulung zum Feelgood Manager machen?

Oft kommen Interessierte aus den Bereichen HR, Office Management, Coaching, Kommunikation und Personal Assistance. Doch theoretisch passt jeder Bereich, solange man Erfahrung im Berufsleben mitbringt und über ausgeprägte Soft Skills verfügt. Universitätsabgängern ist die Ausbildung nicht zu empfehlen, da man gewisse Strukturen, die im Unternehmen herrschen, kennen gelernt haben sollte.

Wo finden interessierte Führungskräfte mehr Informationen zum Thema Feelgood Management?

Natürlich bei uns auf unserer Webseite GOODplace. Empfehlen kann ich ebenfalls die Ausgabe „Faktor Mensch“ von Harvard Business Manager. Und im Auge behalten sollten man ebenfalls die Arbeit des Frauenhofer Instituts.

Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen spannenden Einblick in die Welt des Feelgood Managements!

 für JobisJob

Ein Gedanke zu „Interview mit Monika Kraus-Wildegger, CEO von GOODplace

  1. Julia

    Zum Thema Evaluation von Feelgood Management habe ich kürzlich selbsten einen Artikel verfasst. Hier ist sicherlich ein wunder Punkt zu finden und auch die Aussage von Monika ist recht schwammig. Aber das ist es bei zahlreichen Marketingmaßnahmen auch oftmals.
    Wichtig für die Etablierung von Feelgood Management ist der Vertrauensvorschuss der Chefetage.

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