Jedes Element zählt! Interview mit InNatura

InNatura ist zum einen Anbieter für Berufsorientierungsprogramme für junge Menschen und zum anderen Berater für Unternehmen, die Menschen mit Behinderung einstellen. Spezialisiert hat sich der Beratungsdienstleister aus Bottrop auf die Berufsfindung und Entwicklung der Ausbildungsreife von Menschen mit Handicap sowie auf deren Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt.

Bei InNatura wird davon ausgegangen, dass die Berufswahl das Fundament für ein erfülltes Leben darstellt. Und wer sich mit den Themenbereichen von InNatura beschäftigt, dem wird schnell klar: mit qualifizierten Talenten, die passgenau eingesetzt sind, entsteht ein motivierendes Miteinander und ein effizientes Arbeiten und viele Talente sind noch nicht entdeckt oder noch gar nicht passgenau im Einsatz.

Team InNatura

Das Team von InNatura: Bettina Knierim, Anja Goldberg und Simon Raida.

Um Menschen mit Behinderungen den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, und ihnen Wege neben dem Job in der Behindertenwerkstatt aufzuzeigen, bietet die InNatura Agentur pädagogische Kompetenzfeststellungen und –entwicklungstrainings, die die Talente sichtbar und einsetzbar macht. Bettina Knierim, Anja Goldberg und Simon Raida, vielen Dank für das Interview, wir freuen uns ungemein, InNatura unseren Lesern vorstellen zu dürfen!

Was ist InNatura und an was arbeiten Sie genau?

Bettina Knierim: „Die InNatura GbR wurde 2006 gegründet. Den Namen InNatura wählten wir, um damit direkt einen Teil unserer Firmenphilosophie zum Ausdruck zu bringen. Der Name steht dafür echt und authentisch zu sein. Wir sind eine Dienstleistungsagentur, die Bildung als Investment ansieht, so ist es auch ein Ziel unserer Arbeit Aufklärung zu leisten. Wir ermutigen gleichermaßen Menschen mit Behinderung sowie Arbeitgeber in Geschäftsverhandlung zu treten. Wer frühzeitig seine Stärken erkennt, trifft seine Berufswahl fundiert und bringt sich effektiv in Arbeitsprozesse ein und dabei helfen wir.“

Anja Goldberg: „Ich stieg 2006 direkt zu Beginn von InNatura als Trainerin ein. Mir gefiel die Idee jungen Menschen bei ihrer beruflichen Orientierung zu helfen. 2009 wurde ich Mit-Gesellschafterin. Was mich besonders interessiert ist es Methoden zu entwickeln, die Mitmenschen ermutigen sich selbst und ihre verborgenen Talente zu entdecken.“

Simon Raida: „Ich gehörte zu den ersten Jugendlichen mit Handicap, die die Programme von InNatura erfolgreich absolvierten. Wir konnten uns erproben, an Grenzen gehen, wir wurden ernst genommen. Durch InNatura fasste ich den Mut, meinen Traum von einem selbständigen Leben anzugehen. Seit fast 2 Jahren gehöre ich nun zum Team und sehe es als meine Aufgabe anderen den Mut, den ich selber bekam weiter zu geben. Ich bin stolz darauf, dass mein Arbeitgeber mich braucht und meine Arbeitsleistung schätzt.“

Was verstehen Sie unter dem Begriff Inklusion?

Interview InNatura Jobsuche mit BehinderungBettina Knierim: „Inklusion ist eine Haltung. Henry Ford hat mal gesagt: „Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ Es ist nicht nur möglich, dass Menschen mit wie ohne Behinderung zusammen arbeiten, es entsteht ein sehr intensives Teamgefühl, was eine Grundlage des Erfolgs ist. Inklusion ist die Bereicherung zu sehen.“

Anja Goldberg:  „Inklusion ist für mich, wenn wir nicht mehr Inklusion definieren, sondern leben. Inklusion ist erreicht, wenn sie keine Rolle mehr spielt.“

Simon Raida: „Ich freue mich über die Hilfsbereitschaft meiner Mitmenschen, auf die ich ja auch durchaus angewiesen bin, aber für mich ist das wichtigste, dass ich aufgrund meiner Leistung Respekt und Anerkennung finde. Einfach dazu gehören, das ist Inklusion!“

Können Sie uns mehr über die Berufsfindung von Menschen mit Handicap erzählen?

Bettina Knierim: „Die Berufsfindung unterscheidet sich in den ersten Schritten nicht großartig voneinander. Das hatten wir anhand eines landesweit erstmaligen Pilotprojekts 2006 bewiesen und veröffentlicht. Der herausragende Effekt war, dass durch unsere Auswertungen Menschen mit Handicap anschließend in Nordrhein-Westfalen der Zugang zu staatlich finanzierten Berufsorientierungsmaßnahmen ermöglicht wurde. Was man natürlich beachten muss, dadurch dass eine Einschränkung vorliegt, können manche Berufsausübungen unmöglich werden oder es bedarf Anpassungen. Um einem Menschen mit Handicap gerecht zu werden, konzentrieren wir uns auf seine Stärken und überlegen dann gemeinsam wie er diese in Berufsfeldern unter Berücksichtigung seiner Einschränkung voll zur Geltung bringen kann. Manchmal kann man die Einschränkung schon durch Anpassungen des Arbeitsplatzes oder in den Arbeitsabläufen ausgleichen, manchmal ist die Einschränkung sogar „hilfreich“. Für Unternehmen schaffen wir die Klarheit über die Anpassungsmöglichkeiten und ebnen so den Weg für die Akquise wertvoller Mitarbeiter/innen. Ein interessantes Beispiel den Wert zu erkennen ist die Aktion von SAP, die für bestimmte Tätigkeiten autistische Mensch für geeigneter halten als Menschen ohne Autismus.“

Simon Raida: „Es ist ja wirklich so, dass man als Mensch mit Behinderung manchmal selber nicht sehen kann, welche Stärken man entwickelt hat. Man konzentriert sich so stark darauf unbedingt seine Einschränkung ausgleichen zu wollen, dass man gar nicht merkt, dass man dadurch in einem anderen Bereich viel stärker geworden ist als es ein Mensch ohne Handicap es jemals sein wird. “

Anja Goldberg: „Dazu fallen mir die Discovering Hands von Dr. Frank Hoffmann ein. Ihm kam die Idee das blinde Frauen viel eher Brustkrebs erstasten müssten, als Frauenärztinnen, die nicht blind sind. Im Grunde genommen ist es ganz logisch für einen blinden Menschen, sind die Finger die Augen. Der Bergsteiger Andy Holzer hat es mal so treffend in einem Interview gesagt, er habe zehn Augen statt zwei.“

Einige Unternehmen, besonders Organisationen des öffentlichen Dienstes, stellen Bewerber mit Behinderungen bei gleicher Eignung bevorzugt ein. Wie denken Sie über positive Diskriminierung und gesetzliche Maßnahmen wie Quoten, die Unternehmen erfüllen müssen? Sind sie wichtig oder widersprechen sie dem Prinzip der Gleichbehandlung?

InNatura Interview JedesElementZähltBettina Knierim: „Positive Diskriminierung empfinden wir als gegeben. Die Idee, die z. B. hinter der Schwerbehindertenabgabe stand, war gut angedacht. Nur ändert eine Zwangsmaßnahme nicht die Gesinnung. Die Abgabe sollte die Teilhabe erhöhen, führte aber dazu, dass Unternehmen lieber die Abgabe zahlen. 75 % der deutschen Unternehmen sehen es auch immer noch so. Bei allen Maßnahmen, die man umsetzen möchte, muss man die normal typisch menschlichen Reaktionen mit einbeziehen. Sonst kann es passieren dass das, was als Lösung gedacht war zur Verschlimmerung  der Ursprungssituation führt. Die Abgabe hat die „Angst“ davor einen Menschen mit Behinderung einzustellen nicht geschmälert, sondern eher noch geschürt.“

Anja Goldberg: „Mit dem gesonderten Kündigungsschutz ist es auch so. In unseren Köpfen ist nun hauptsächlich abgespeichert, dass es schwerer oder gar unmöglich ist einen Menschen mit Behinderung zu entlassen. Und tatsächlich ist es ein Brief mehr den man schreiben muss.“

Simon Raida: „Bevor ich bei InNatura anfing, war ich ein Jahr lang auf Arbeitssuche, unzählige Bewerbungen habe ich geschrieben, war auf Jobmessen. Ich bekam noch nicht mal die Chance zu einem Test oder Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.“

Haben Sie womöglich ein paar hilfreiche Webseiten für die, die sich weiter über das Thema informieren wollen?

Simon Raida: „Einen hilfreichen Leitfaden für Unternehmer bietet der BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), zur Einsicht bitte die URL kopieren: http://www.arbeitgeber.de
/www%5Carbeitgeber.nsf/res/Inklusion_unternehmen.pdf/$file/Inklusion_unternehmen.pdf.

Für Menschen mit Behinderung hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen ausführlichen Ratgeber, zur Einsicht bitte die URL kopieren: http://www.bmas.de
/DE/Service/Publikationen/a749-rat-geber-behinderung-barrierefrei.html.

In meiner Arbeit für unseren Verein „Offensive Chancengleichheit e.V.“ betreue ich den Familienratgeber der Aktion Mensch für die Städte Bottrop, Oberhausen, Gladbeck. Der Familienratgeber bietet rund 25.000 Adressen regionaler Angebote: www.familienratgeber.de.

Und in der von Bettina und mir gegründeten XING-Gruppe „Inklusion? Warum eigentlich nicht!“ bieten wir Unternehmern und Menschen mit Behinderung gleichermaßen ein Forum, um sich gegenseitig Tipps zu geben. Es lohnt sich einmal vorbeizuschauen! Im Rahmen unserer Aufklärungsarbeit haben wir  gerade aktuell für unsere Gruppe ein Video hochgeladen, wozu ich den Leser abschließend einladen mag, es sich einmal anzusehen.

 für JobisJob

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