Muss man Psychopath sein, um Top-Manager zu werden?

Alle Welt fordert neue Arbeitsparadigmen und behauptet, dass eine neue Ära der philanthropischen Führungskultur vor der Tür stehe. Interessanterweise haben zwei Wissenschaftlerinnen jedoch herausgefunden, dass einige psychopathische Persönlichkeitsstörungen verbreiteter unter erfolgreichen Managern, als unter „normalen“ Psychopathen scheinen. Wie passt das zusammen? Streben wir vielleicht gerade deshalb eine neue Führungskultur an? Und wie lange wird so ein Paradigmenwandel wirklich dauern?

Zukünftige Führungskräfte sollen verantwortungsvoll handeln


Wenn heutzutage von zukünftigen Führungspersönlichkeiten die Rede ist, dann wird meist von verantwortungsvollen und empathischen Personen gesprochen. Führungskräfte sollen laut Hays‘ HR-Studie Vorbilder sein. BossErnst & Young fand heraus, dass sich die Generation Y verantwortungsvolle Führungskräfte wünscht, die vor allem harmonische Arbeitsverhältnisse schaffen, in denen die Arbeitnehmer und ihr Privatleben geachtet werden. Außerdem scheint sich die Mehrheit in einem weiteren Punkt einig zu sein und fordert klar mehr Frauen in Führungspositionen. Eine Angelegenheit, die in vielen Ländern diskutiert wird. Die Professorin Elisabeth Kelan behauptet in einem vergangenen Interview sogar, “in den Köpfen der Top-Management-Ebene findet schon ein Umdenken statt“. Stimmt es also und wird sich in Zukunft ein vornehmlich verantwortungsvoller Typ an Führungspersönlichkeit durchsetzen? Oder wird der gleiche Typ Mensch in Führungspositionen gelangen und lediglich die Arbeitsverhältnisse humaner. Was die augenblicklichen „Leader“ dieser Welt angeht, lassen einen die Forschungsergebnisse einer Studie von zwei Professorinnen aus Großbritannien aufschrecken.

Sind derzeitige Top-Manager Psychopathen?

Psycho Manager
Belinda Board und Katarina Fritzon von der University of Surrey fanden vor einigen Jahren heraus, dass Top-Manager psychopatische Persönlichkeitseigenschaften aufweisen. Ihre Studienergebnisse deuteten sogar darauf hin, dass einige Persönlichkeitsstörungen unter Top-Managern durchaus verbreiteter sind als unter kriminell auffälligen Psychopathen, unter anderem: selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und Narzissmus.

Board und Fritzon (Psychology, Crime & Law, 2005) unterscheiden in ihrer Studie zwischen „erfolgreichen Psychopaten“, die es schaffen sich unentdeckt in der Gesellschaft zu bewegen, und solchen, bei denen psychopathisches Verhalten klar zum Ausdruck kommt. Untersucht wurden verschiedene Gruppen von Menschen mit psychopatischen Störungen sowie Manager in Top-Positionen. Um die Ergebnisse vergleichen zu können und da Top-Manager hauptsächlich männlich sind, wurden insgesamt fast nur Männer analysiert. In einigen wichtigen Punkten unterschieden sich die männlichen Führungskräfte jedoch klar von kriminellen Psychopaten. Sie tendierten weniger zu Gewalttaten und besaßen die Fähigkeit, ihre psychopathische Persönlichkeitsstörung im sozialen Umfeld ausreichend zu kaschieren.

Erfolgreiche Psychopathen sind Menschen mit bestimmten psychopatischen Persönlichkeitsstörungen. Sie steigen oftmals bis in die höchsten Manager-Ebenen auf, gerade weil sie Intelligenz und Mangel an Emotionalität geschickt vereinen.

Der Psychopath, mein Vorbild?


Manch einer könnte argumentieren, dass erfolgreiche Psychopathen wichtig sind für die Menschheit und gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichen – oder aber direkt in den gesellschaftlichen Ruin führen. Können wir uns also wirklich etwas von Ihnen abgucken? Es klingt bizarr, aber zum Teil schon. Ihr furchtloses und narzisstisches Verhalten ist laut Dr. Kevin Dutton von der University of Oxford in beruflicher Hinsicht vorbildlich. Sie sind mental stark, rücksichtslos, narzisstisch, fokussiert, haben Charme und Charisma und sind weniger empathisch als andere. Traurig aber wahr: sie sind die besseren Selbstdarsteller, kämpfen skrupelloser für ihren Aufstieg und fordern eiskalt bessere Konditionen von ihrem Arbeitgeber – ohne groß über Konsequenzen nachzudenken.

Dr. Dutton schlägt vor, sich erfolgreiche Psychopathen zum Vorbild zu nehmen. (Empfehlenswert ist es also den eigenen (kleinen) Psychopathen in der Vorstandsetage zu lassen und ihn besser nicht mit nach Hause zu nehmen.)

Diese Tipps sind Gold wert, besonders fürs Vorstellungsgespräch und die Karriere. Wir fragen uns lediglich, wie passt dies mit den geforderten verantwortungsvollen und empathischen Führungskräften zusammen? Haben empathische Menschen aktuell überhaupt eine Chance? Sind wir wirklich bereit und schaffen Raum für empathische Führungskräfte?

Oder sind psychopatische Top-Manager lediglich die Investment Banker in London, Politiker aus den USA oder CEOs multinationaler Firmen, nicht jedoch die Führungskräfte im Mittelstand? Uns interessiert brennend, was Sie darüber denken!

Interessiert daran, diesen Blogbeitrag auf Englisch
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 für JobisJob

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