Nehmen Sie es ihm nicht übel… er ist Spanier!

Wenn kulturelle Unterschiede im Unternehmen nicht richtig gefördert werden, können sie sich pfeilschnell in jenen Stock verwandeln, der sich in die Räder Ihrer Organisation schiebt. Keine Frage, wir arbeiten heutzutage international! Welche kulturellen Hürden Spanier in Deutschland überwinden müssen, veranschaulicht folgender Blogbeitrag.

Spanier in DeutschlandLaut des spanischen Wählerverzeichnisses von im Ausland lebenden Spaniern (Censo Electoral de Españoles Residentes en el Extranjero, kurz CERA) haben seit dem Jahr 2008 mehr als 400.000 Spanier ihre Koffer gepackt und sich hauptsächlich in Westeuropa und Lateinamerika auf die Suche nach neuen Möglichkeiten gemacht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2013 über 15.000 Spanier in Deutschland. Doch nicht nur Arbeitsuchende haben 2008 angefangen, ihr Land hinter sich zu lassen, auch Unternehmen bis hin zu multinationalen Konzernen mit Sitz in Spanien, haben Ihren Fokus aufs Ausland gesetzt.

Um kulturelle Schocks zu vermindern, müssen Spanier in Deutschland einiges beachten. Aber auch Unternehmen können sich die folgenden Empfehlungen zu Herzen nehmen, um zu vermeiden, dass sich ihr neuer Angestellter in den ersten Wochen wie ein Elefant im Porzellanladen vorkommt.

Empfehlungen, um die Integration von spanischen Mitarbeitern in deutschen Unternehmen zu erleichtern


Bezüglich der Umgangsformen. Taktgefühl zeigen und auf die Details achten! Wir empfehlen Folgendes:

list_ok Den Händedruck üben. Wie auch in Spanien wird in Deutschland beim ersten professionellen Kennenlernen die Hand geschüttelt. Da dies aber in Deutschland, abgesehen von einigen Ausnahmen vielleicht, die einzige Form der Begrüßung ist, sollte man sich auf einen kräftigen Händedruck gefasst machen, der ebenso kraftvoll erwidert werden sollte. Abschieds- oder Begrüßungsküsse wird es in einem deutschen Büro niemals geben. Auch den nettesten Kollegen wird nach dem Kennenlernen weiterhin die Hand geschüttelt.

list_ok Eine anstößige Wortwahl vermeiden. Freche Bemerkungen, die in Spanien als etwas Spontanes und als Zeichen des Vertrauens absolut akzeptiert sind, werden im deutschsprachigen Raum eventuell als derb und respektlos aufgefasst.

list_ok Zunächst bitte auf überschwänglichen Körperkontakt verzichten. Der Rückenklopfer, der kleine „Klaps“, also jene Gesten, die die Spanier machen, um Kollegialität zu zeigen und Distanzen aufzuheben, können als Angriff oder Einschüchterung verstanden werden. Lieber erste einmal Abstand halten oder prüfen, wie der Gegenüber auf Körperkontakt reagiert.

list_ok Die Stimme senken. Es heißt ja, die Spanier wären sehr laut. Was aber passiert wohl, wenn sie wirklich sauer werden, wenn es sich bei einer normalen Unterhaltung schon so anhört, als ob sie schreien? Daher empfehlen wir den Spaniern, mit ruhiger Stimme zu sprechen und die Kommentare, die unangenehm sein könnten, nicht gleich hinauszuposaunen.

list_ok Nicht zu direkt sein. Auch in Deutschland wird offen und direkt Kritik geübt, oft werden aber zwei goldene Regeln beachtet: es wird versucht, stets konstruktive Kritik zu üben und angestrebt, seinen Gegenüber ausreden zu lassen. Pablo ist Spanier, arbeitet zurzeit als Ingenieur in Peru und ist überrascht wie, geradlinig andere Kulturen kommunizieren. Er weiß, dass „wenn wir jemandem einfach ins Wort fallen, können wir schnell aggressiv wirken (…). Ganz zu schweigen von der Leichtigkeit, mit der wir in Spanien ein entschiedenes „Nein“ austeilen! Auch sind viele Spanier flache Hierarchien bezüglich der Kommunikation gewohnt und praktizieren einen sehr direkten Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. In Deutschland hängen hierarchische Strukturen und Kommunikationsstile stark von der jeweiligen Unternehmenskultur ab und man sollte sich immer erst einmal einem Überblick verschaffen und analysieren, wie Kollegen kommunizieren.

Bezüglich der Integration. Um die Distanzen zu überwinden, ist es am besten, sich gegenseitig kennenzulernen, deshalb schlagen wir Initiativen vor, wie:

list_ok Sportliche Aktivitäten. Teamarbeit in einem lockeren Umfeld. Die Person außerhalb ihrer Arbeitsumgebung kennenzulernen, hilft dabei, ihre Reaktionen bei der Arbeit zu verstehen.

list_ok Kulinarische Aktivitäten. Die Gastronomie eines Landes gehört zu den Grundpfeilern einer kulturellen Identität. Diese kennenzulernen trägt dazu bei, sich der Unterschiede in den anderen Bereichen bewusst zu werden.

Mit diesem Artikel möchte ich kulturelle Eigenarten auf keinen Fall verallgemeinern. Meine Absicht besteht lediglich darin, mit einem Augenzwinkern deutlich zu machen, dass Unterschiede, wenn sie richtig interpretiert werden, positiv sind, da sie den Teamgeist fördern und unsere festgefahrenen kulturellen Muster herausfordern!

Der Artikel wurde von einer Spanierin geschrieben. Eine Version in spanischer Sprache ist auf JobisJob’s Blog für Lateinamerika erschienen (siehe Link unten).

Interessiert daran, diesen Blogbeitrag auf Spanisch zu lesen?

 für JobisJob

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