Die Kulturdimensionen von Geert Hofstede

Kulturdimensionen_JobisJobGeert Hofstede, bedeutender holländischer Forscher im Bereich der kulturellen Unterschiede am Arbeitsplatz, lehrt uns, dass das Verhalten von Menschen in Unternehmen unter anderem von ihrer kulturellen Identität bestimmt wird. Seine fünf nationalen Kulturdimensionen, ebenso umstritten wie einmalig, lassen einen verstehen, welche kulturellen Unterschiede am Arbeitsplatz zum Tragen kommen.

Personen unterschiedlicher Kulturen haben verschiedene Herangehensweisen bezüglich Problemlösung, Führung und im Umgang mit Kollegen oder Vorgesetzten. Wer in ähnlichen Kulturkreisen verkehrt, wird Unterschiede natürlich seltener feststellen. Diejenigen, die jedoch an einem internationalen Arbeitsplatz interessiert sind, werden kurz- oder langfristig interkulturelle Kompetenzen erlangen müssen, da sie auf Menschen treffen werden, die die folgenden Dimensionen zu unterschiedlichen Graden gewohnt sind.

Nationale Kulturdimensionen laut Hofstede Centre:


Machtdistanz

Diese Dimension bezieht sich auf die Akzeptanz oder Ablehnung von Machtverhältnissen in einer Gesellschaft. In einigen Kulturen herrschen hierarchische Machtstrukturen und jeder akzeptiert, ohne dies anzuzweifeln, dass einige Menschen mehr Macht haben als andere. Andere Kulturkreise haben zwar auch Menschen mit mehr Macht, streben aber grundsätzlich eine Gleichstellung an. Auf die Unternehmenskultur übertragen gibt es Firmen, in denen Vorgesetzte absolute Macht über die Aufgaben anderer haben, in anderen werden alle Meinungen als gleichwertig angesehen. Österreich ist zum Beispiel ein Land, das Machtverhältnisse gerne ausbalanciert: Arbeitnehmer werden laut Hofstede Centre (2014) zu Entscheidungen hinzugezogen und Manager fördern und bevollmächtigen Angestellte.

Individualismus und Kollektivismus

In individualistisch geprägten Kulturkreisen wird großen Wert auf Selbstverwirklichung und Individualismus gelegt und von Mitgliedern erwartet, sich vorrangig um sich selbst und allenfalls die engsten Familienmitglieder zu kümmern. Deutschland ist ein typisches individualistisch geprägtes Land, in dem vornehmlich Selbstverwirklichung angestrebt wird. In kollektivistisch geprägten Gesellschaften lebt der Mensch in einem eng geknüpften sozialen Netzwerk,  in denen Loyalität und gegenseitige Unterstützung mehr Bedeutung beigemessen wird. Diese Grundhaltung dem sozialen Umfeld gegenüber wird natürlich auch am Arbeitsplatz aufrechterhalten.

Ungewissheitsvermeidung

Kulturelle Unterschiede_JobisJob„Ungewissheitsvermeidung“ bezieht sich darauf, wie gut eine Gesellschaft mit Ungewissheit oder Veränderung umgehen kann. Einigen Kulturen wird ja nachgesagt, sehr unflexibel zu sein und unvorhergesehene Situation mit Skepsis oder gar Panik entgegen zu treten. Unvorhergesehenes wird lieber vermieden. In anderen Kulturkreisen dagegen haben Menschen kein Problem mit Ungewissheit und lassen es fast darauf ankommen, da sich spontan ja sowieso etwas ergibt und das geplante ja auch schiefgehen kann. Ungewissheitsvermeidung kann sich aber auch in Form von Ablehnung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen äußern. In diesem Fall werden klare Vereinbarungen getroffen und Strukturen und Regeln aufgestellt, um alte Strukturen zu wahren. Eine Gesellschaft schottet sich so vor Veränderungen ab. Am Arbeitsplatz kann der unterschiedliche Umgang mit Ungewissem durchaus zu Konflikten führen und absolut falsch, z.B. als inkompetent (so ganz ohne strategische Planung oder Innovationsgedanken) oder unflexibel (durchgeplant bis ins Details und ohne um die Ecke zu denken), interpretiert werden.

Maskulinität versus Feminität

Diese beiden Dimensionen bezeichnen den Grad an  „femininen“ und „maskulinen“ Werten einer Gesellschaft, wobei Hofstede die femininen Werte mit Attributen wie Bescheidenheit oder Fürsorglichkeit gegenüber Schwächeren besetzt. Feminine Kulturen, wie zum Beispiel die Niederlande (Hofstede Centre, 2014), schätzen eine ausgewogene Work-Life-Balance, Geschlechterrollen befinden sich im Gleichgewicht und Manager bemühen sich um Konsensentscheidungen. Sollte es bei den Holländern Meinungsverschiedenheiten geben, werden diese so lange besprochen, bis man zu einem Ergebnis kommt. Maskuline Werte stehen für Leistungs- und Erfolgsdenken, Durchsetzungsvermögen und das Interesse an materieller Belohnung für Erfolg. Aggressive Werbe- und Verkaufsstrategien sind ebenfalls charakteristisch für maskuline Kulturen.

Lang- und kurzfristige Ausrichtung

Die Dimension „lang- und kurzfristige Ausrichtung“ (von Michael Bond in ausschließlich Asien erforscht) beläuft sich auf Werte bezüglich des Zeitverständnisses von verschiedenen Kulturen. Unser Verständnis von Zukunft und Vergangenheit prägt unser Handeln in der Gegenwart. Die Vergangenheit kann in Form von Traditionen besondere Gewichtung haben, die Gegenwart, bezüglich gegenwärtiger Erfolge und die Zukunft im Sinne von langfristiger Orientierung und Nachhaltigkeit. Menschen gewichten diese drei Dimensionen unterschiedlich und der Wert Tradition (im Sinne von „das machen wir schon seit jeher so“) kann schnell mit einer langfristigen Orientierung, die auf die Zukunft ausgerichtet ist, kollidieren („wenn wir jetzt etwas ändern, dann wird sich das in 5 Jahren rentieren“).

Hofestede_Kulturdimensionen_JobisJobDie Kulturdimensionen vom Hofstede Centre weisen einige wissenschaftliche Makel auf und geben kein vollständiges Bild von „der nationalen Kultur“ eines Landes. Kultur ist einfach ein zu kompliziertes Konzept, als dass man es in wenigen Sätzen abhandeln könnte – wiederlegt wurden die Dimensionen aber bis dato von noch keinem weiteren Forscher.

Deswegen schlagen wir vor, Hofstedes Kulturdimensionen als Anstoß für die Entwicklung eines interkulturellen Verständnisses zu betrachten und nicht als statische Konzepte, welche man eins zu eins auf eine Nation übertragen kann.

 für JobisJob

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